Kolumne #1 – Der Siegeszug der Systemkameras

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Der Siegeszug der Systemkameras hat längst begonnen. Deswegen widmet sich welcheKamera.de mit der ersten Ausgabe der wöchentlichen Foto Kolumne diesem Thema.

Diesen Samstag bin ich seit langem mal wieder während der Einkaufs Rush Hour durch die Innenstadt gelaufen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die großen Kamerahersteller immer günstigere Spiegelreflexmodelle anboten. Die waschechten Amateurfotografen konnten über solche “Miniknipsen” wie die Canon EOS 1100D
nur müde lächeln. Dennoch stellte man ab einem gewissen Punkt im Stadtbild – nicht nur unter den zahlreichen Freiburg Touristen – immer mehr solcher Spiegelreflexmodelle fest. Was mich daran faszinierte, war nicht die Tatsache, dass plötzlich jeder mit einer Spiegelreflexkamera hantierte, sondern dass damit eine Liberalisierung des Kameramarktes einher ging.

 

DSLRs haben sich schnell verbreitet.Während in den Anfängen der digitalen Spiegelreflexkameras selbst Kompaktkameras noch sündhaft teuer waren, hat heute jedes Handy eine Fotofunktion. Die “richtigen” Amateurfotografen, also jene, die durch die harte Schule des fotografischen Erwachens gegangen sind und dabei Kenntnisse und Equipment immer weiter optimiert haben, hatten zu dieser Zeit eine Ausnahmestellung inne. Ich werde wohl nie vergessen, wie die Leute auf meine erste DSLR reagierten. Auf der einen Seite, war ihnen die Form und Funktion ja von den analogen Spiegelreflexkameras bekannt. Auf der anderen Seite war eine DSLR Kamera ein sehr teures Spielzeug. Es schien also selbstverständlich, dass der Besitzer auch entsprechende technische und künstlerische Fähigkeiten besitzen musste. Dass dies oft nicht im Entferntesten zutraf, wurde nicht wahrgenommen – So als dürfte es nicht sein.

Nun, die “Insignien der Macht” gibt es mittlerweile in jedem Mediamarktprospekt für unter 500 Euro. Viele Menschen haben sich mittlerweile eine Spiegelreflexkamera gekauft und haben in Wahrheit gar keine Ahnung, wie man eine solche Kamera fachmännisch bedient. Das höchste der Gefühle war vielleicht ein Volkshochschulkurs für Fotografie. Für die Amateurfotografen ist es natürlich ein Graus, dass es tatsächlich Menschen da draußen gibt, die eine Spiegelreflex im Automatikmodus bedienen. Die Hersteller dagegen hofieren diese Kundengruppe seit Langem. Das große Geld wird schließlich in dieser Zielgruppe verdient. So kam es, dass seitdem unglaublich viele Menschen Zugriff auf hochwertige Fotokameras haben und damit Bilder in nie dagewesener Qualität produzieren. Sekundiert durch die Möglichkeiten des Internets, ist also eine ganz neues fotografisches Bewusstsein entstanden. Das ist, meiner Meinung nach, zutiefst wünschenswert. Auch wenn ich gerade von den Fotografen alter Schule, die auch analogen Spiegelreflexkameras gearbeitet haben, den ein oder anderen Seufzer zu diesem Thema gehört habe.

 

Nun könnte ich diesen Artikel eigentlich mit den Worten “Und sie lebten glücklich und machten Fotos bis an ihr Lebensende” abschließen. Doch nicht umsonst habe ich Systemkameras als Thema meiner ersten Kolumne gewählt.

 

Denn trotz der technisch überrangenden Möglichkeiten einer DSLR gibt es einen Faktor, der einem die Laune ziemlich vermiesen kann: Die Größe und damit einher gehend, das Gewicht. Ich kenne einige Leute, die des Gewichtes wegen “ihr Baby”, auf das sie so lange gespart hatten, nach kurzer Zeit wieder veräußerten. Wer auch Abends mit Freunden gerne mit Kamera unterwegs ist, hätte ja theoretisch genau die richtige Ausrüstung für Low Light Fotos parat. Doch ich denke, nur wenige Leute gehen wirklich so weit, die DSLR mit einzupacken. So gesehen hatte man also mit einer solchen Kamera zwar das richtige Gerät für Urlaub und Familienfeiern, doch die Flexibilität einer Kompaktkamera musste man wohl oder übel aufgeben. Das bedeutet also, dass mir eine DSLR zwar größere technische Möglichkeiten gibt, mich aber gleichzeitig in anderen Bereichen einschränkt.

Als dann die ersten spiegellosen Systemkameras angekündigt wurden und auf der Photokina ’08 zu sehen waren, überwog doch die Skepsis im Amateurfotografenbereich. Immerhin hatten die Dinger weder einen Sucher, noch konnten die vorhandenen Objektive verwendet werden.  Während Olympus mit der PEN Serie geschickt einen Klassiker wiederauferstehen ließ, baute Panasonic Systemkameras, die einer DSLR recht ähnlich waren. Sony wiederrum setzte auf extrem kompakte Gehäuse und einen Sensor, der mit dem einer DSLR identisch war.

Ich muss zugeben, auch ich war anfangs sehr skeptisch. Das Fehlen eines Suchers erschien mir ein großes Manko zu sein und die Tatsache, dass der Autofokus lahmte, war ebenfalls ein KO Kriterium. Das erste Mal, dass ich hellhörig wurde, war dann, als ich die erste Sony Nex in den Händen hielt. Diese war natürlich nicht mit dem heutigen Top Modell, der NEX-7, zu vergleichen. Dennoch überzeugten mich die Fotos, die aus diesem kleinen Kästchen kamen. Im Nachhinein ist mir dann auch klar geworden, wieso die Systemkameras solch einen Erfolg haben konnten: Sie haben ganz einfach eine Lücke geschlossen! Denn weder möchte der versierte Amateurfotograf auf eine Kompaktknipse zurückgreifen müssen, noch erfüllt eine DSLR wirklich die Wünsche des normalen Konsumenten.

Meine Sony NEX-3 ist in Verbindung mit dem 16mm 2.8 Pancake eine echte Hosentaschenkamera für unter 500 Euro. Soviel kann man auch für eine Kompaktkamera ausgeben. Die Bildqualität ist dabei über jeden Zweifel erhaben. Und genau hier setze zu einer eminent wichtigen Unterscheidung zwischen den einzelnen Systemen an: Während die meisten Amateurfotografen bereits vor dem eigentlichen Fotografieren Vorbereitungen treffen (Ausrüstung auswählen) und wohl meistens projektbezogen arbeiten, lassen es technisch unversierte Menschen einfach auf sich zukommen. Was mich wirklich daran erstaunt ist, dass sich beide Gruppen durch die Systemkameras einander anzunähern scheinen. Tatsächlich gibt es auch unter den Amateurfotografen den ausgeprägten Wunsch nach einer kompakten Kamera mit Immerdrauf, dafür ohne technisch zu viele Kompromisse eingehen zu müssen. So finden sich mittlerweile in den Fototaschen vieler Amateurfotografen Systemkameras, als kompakte Zweitgeräte.

Dem “normalen” Konsumenten ist die Bildqualität sowieso zweitrangig. Wer von einer Kompaktkamera auf eine Systemkamera umsteigt, der fühlt sich auf dem Olymp angekommen. Der fehlende Sucher, fällt gar nicht erst auf, man ist ja nichts anderes gewöhnt. Die neuen Möglichkeiten scheinen unendlich. Dank inteligenter Motivprogramme erledigt sich auch die alte Mähr der Amateurfotografen, wonach die ersten Bilder mit einer “richtigen” Kamera erstmal viel schlechter werden, als mit der Kompaktkamera, weil man eben Alles selbst einstellen müsste. Die Grenze zu den “Profigeräten” weicht also immer mehr auf.

Als Produkt dieser Entwicklung habe ich schon oft auf Facebookseiten von Menschen, die sich eine Systemkamera gekauft haben aber bisher nicht wirklich etwas mit Fotografie am Hut hatten, einen starken Anstieg der eigenen Bilder bemerkt. Man könnte schon fast von einer Bilderflut sprechen. Plötzlich wird alles um einen herum fotografisch dokumentiert. Ich freue mich jedes Mal darüber, wenn ich wieder einen Menschen entdecke, den die Fotografie “gekriegt” hat. Vielleicht ist es nicht sofort ersichtlich. Manch einer mag sich von dieser Tendenz sogar in seiner Stellung als “ernsthafter” Fotograf bedroht sehen. Nichts desto trotz hilft uns diese Tatsache ungemein weiter. Je mehr Menschen fotografieren und ein Gefühl dafür entwickeln, was hinter einer guten Fotografie steckt, desto mehr wird die Arbeit der “ernsthaften” Fotografen geschätzt.

Das waren sie, meine Gedanken zum Sigeszug der Systemkamera. Ich freue mich immer über Kommentar zum Thema und hoffe einen kurzen Einblick geliefert zu haben,  in die Entwicklungen rund um die Fotografie, die dank den Systemkameras stattgefunden haben.

 Gut Licht!

Ihr Julian von Tiedemann

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